Eine lange Autofahrt von Rotorua
entfernt lag Tairua, ein kleines verschlafenes Nest, von dem aus wir uns über
den Hot Water Beach und die Cathedral Coves informierten. Hier erfuhren wir
auch, dass in ganz Coromandel wildes Campen verboten ist. Wir machten uns noch
nicht viele Gedanken darüber, denn es gab Campingplätze, ganz im Norden, wir
müssten also einfach bis ganz nach oben fahren, kein Problem! Aber zunächst
stand der Hot Water Beach ganz oben auf unserer Liste. Hier, so hiess es, könne
man sich ein Loch im Strand buddeln, dass dann mit warmem Wasser aus dem Boden
vollläuft. Als wir am Strand ankamen ergriff uns jedoch ein erhöhter Drang zu
fliehen. So viele Menschen auf einem Fleck habe ich schon eine ganze Weile
nicht mehr gesehen! Vor allem nicht in Neuseeland! Woher kamen bloss all diese
Leute, die mit Schaufeln bewaffnet waren? Aber wir wiederstanden unserem Drang
und suchten uns stattdessen ein Plätzchen zum Löcher buddeln. Einige Leute
hatten schon mit ihren Bauten angefangen, andere warteten im Wasser (später
standen wir in ein Loch, das früh gebuddelt wurde und darum noch hoch oben am
Strand stand – es war kalt). Da das Phänomen nur bei Ebbe hervortritt und wir
noch eine Stunde davon entfernt waren, beschlossen wir abzuwarten. Wir standen
mit den Füssen im Wasser und gruben unsere Zehen in den Sand. Da plötzlich rief
Toby er habe eine warme Stelle gefunden. Und tatsächlich! Wir hatten unseren
Platz gefunden. Sobald als möglich begannen wir mit Händen und Füssen ein Loch
zu graben. Wir waren recht aufgeschmissen ohne Schaufel, denn wir waren nicht
schnell genug, die Wellen spülten unsere schöne Schutzmauer regelmässig weg.
Aber wir gaben nicht auf. Toby konnte eine Schaufel von unseren Nachbarn
abzwacken, die schon in ihrem Bad lagen. Damit ging es dann schneller und
irgendwann war auch unser kleines Bad vollendet. Es war wirklich warm, wenn man
nicht sogar sagen möchte kochend heiss. Eine Weile lang war die Wärme noch ganz
angenehm, doch plötzlich strömte das Wasser heiss aus dem Boden hervor und wir
konnten nur noch aufspringen und Reissaus nehmen (Boiling Water Beach wäre wohl
angebrachter). Im Meer versuchten wir den Sand los zu werden, der sich überall
festgesetzt hatte, doch im Auto merkten wir dann, dass das vergebene Mühe war.
Wir gingen weiter zu den
Cathedral Coves, die nur einige Autominuten entfernt waren. Dort ergatterten
wir den letzten Parkplatz (oder viel eher stibitzten wir den letzten Parkplatz)
und dann hiess es laufen, laufen, laufen. Naja, so schlimm war es auch nicht,
nach 30 Minuten erreichten wir den Strand, mit den steinernen Torbogen, auf
denen Kahikabäume wuchsen (Bäume, die an ungewöhnlichen Stellen mit
ungewöhnlichen Gegebenheiten wachsen können). Toby stürmte ins Wellenreiche
Meer, während ich mir ein Schläfchen im warmen Halbschatten gewährte.
Zurück am Auto mussten wir
entscheiden, was wir nun machen wollten. In den Norden zum Campingplatz fahren,
von dem es hiess, man müsse ihn in der Peek Season reservieren, oder aber aus
Coromandel heraus fahren. Letztendlich war uns die Gefahr zu gross, dass der
Campingplatz überfüllt ist (da wir ja mitten in der Peek Season stecken) und
wir letztendlich ohne Schlafmöglichkeit dastanden. Wir rüsteten uns also für
eine lange Fahrt mit Fingerfood und sonstigem aus. Und dann fuhren wir. 6
Stunden mit kurzen Stopps. Ein echter Marathon!
Lange schlafen konnten wir nicht.
Der Rastplatz, an dem wir Halt gemacht hatten, lag direkt an der Strasse und
wurde am Morgen früh mit Tourbussen überfüllt.
Unser nächstes Ziel war ein
Campingplatz bei Trounson. Auf diesem Campingplatz, bzw. rund herum gab es
einen Wald, der in der Nacht zum Leben erwacht. In der DOC Broschüre (unsere
Campingbibel) stand, dass man dort in der Nacht Kiwis und Glühwürmchen sehen
könne. Irgendwann am Nachmittag erreichten wir den Platz und nach einer kurzen
Verschnaufpause und einem ausgedehnten Picknick in der Sonne machten wir uns
auf, den Wald zu erkunden, denn bei Tag war er genauso spannend wie in der
Nacht. Im Tageslicht konnte man die riesigen Kauribäume begutachten. Kauribäume
werden riesengross wenn sie einige tausend Jahre herumstehen und ihre Arme nach
dem Himmel ausstrecken. Es gibt nur noch wenige dieser Bäume, die tatsächlich
Jahrhunderte überlebt haben. Die meisten sind dem Schiffbau zum Opfer gefallen
oder anderen Holzarbeiten. Die Tour durch den Wald war wirklich beeindruckend,
man lief den Weg entlang und plötzlich, aus dem Nichts heraus, stand plötzlich
ein mächtiger Riese vor dir. Gut hatten wir die Gegend schon vor Anbruch der
Nacht ausgekundschaftet! Doch bevor wir nochmals in den Wald gingen gab es ein
eigentlich ganz leckeres Abendessen mit netter Gesellschaft von einem
Neuseeländer und einem indischen Australier. Unser Abendessen wurde von einer
netten Dame unterbrochen, die uns für ein paar Dollar zwei grosse kumara
(polynesiche Süsskartoffeln – ein Hauptnahrungsmittel der Maori), ein Sack
Bohnen und eine Gurke verkaufte. Und als Leckerli schenkte sie uns eine
Knoblauchzehe, die sich als ein echtes Wunder herausstellte. Das blosse schälen
der Zehe versprühte einen eigenen aromatischen Duft, wie ich sie bei noch
keiner Knoblauchzehe gerochen habe.
Jedenfalls, mit den beiden
Burschen, die mit dem Motorrad unterwegs waren, zogen wir in den dunklen Wald
und suchten nach Kiwis. Geführte Touren zogen an uns vorbei und machten einen
heiden Lärm, weshalb wir beschlossen, später zurück zu kehren. Stattdessen zogen
wir aus, um eine Glühwürmchenwand, die uns die Gemüsedame ans Herz legte, zu
suchen. Leider waren ihre Angaben bezüglich Dauer des Marsches nicht ganz
korrekt, sodass wir umdrehten und unser Auto nehmen mussten, mit dem wir dann
eine Weile fuhren. Aber sie hatte recht, die Wand erhellt einem das Herz. Tausende
und abertausende von winzigen kleinen leuchtenden Punkte waren an einer
Felswand, geschützt von einpaar Blättern und Sträuchern, versteckt und gaben
ein nachthimmelähnliches Bild wieder, in dem aber selbst Sterne erblassen.
Nun wollten wir aber doch noch
einen Kiwi sehen, also zogen wir noch einmal auf Kiwitour durch den Busch. Bis
2 Uhr morgens waren wir unterwegs und hörten nur einige Kiwirufe und das
Geraschel ihres Schnabels in den Blättern. Unsere beiden Freunde hatten beide
schon einen Kiwi gesichtet, doch uns blieb das Vergnügen erspart. Toby und ich
waren noch die letzten im Wald und auch mich zog es langsam zurück. Kaum 2 Minuten
war ich weg, da rannte mir Toby schon hinterher und berichtete von einem Kiwi,
den er gesehen hatte, gerade als ich weg gegangen war. Wir eilten zurück und
versuchten noch einen zu Gesichte zu bekommen, doch anscheinend haben sie mich
gerochen und haben sich versteckt. Jedenfalls… Kiwis sind doof (naja, Toby sagt
was anderes).
Nach dieser frustrierenden
Niederlage haben wir uns auf den Weg gemacht um den grössten und den dicksten
Kauribaum in Neuseeland zu begutachten. Der erste „ …“, der Vater des Waldes,
war unglaublich dick. Sein Umfang betrug 16.40 Meter Umfang. Der zweite „….“,
der Herr des Waldes, war etwas schmaler um die Taille aber riesengross. (Lieber
Philippe, wenn ich je einen Baum geheiratet hätte, dann wäre es wohl dieser
gewesen)