Donnerstag, 24. Januar 2013

Von Wellington zur vergessenen Welt


Unser Bericht brach das letzte Mal ab, als wir auf der Fähre nach Wellington sassen. Kurz nach Beendigung des Berichts fuhren wir auf’s offene Meer und mir wurde kotzelend. Im richtigen Moment traf die gute Fee ein, die fragte, wie es uns ginge. Kurzerhand erklärte sie uns, dass wir uns am so ziemlich schlimmsten Ecken platziert hatten – am Heck des Schiffes.
Noch nie bin ich so schnell aufgesprungen und in den hintersten begehbaren Teil des Schiffes gerast, was auf Deck war. Der kalte Wind sauste uns um die Ohren, doch mir war das total egal. Nach ein paar Runden, kreuz und quer durch die dahin gestellten Bänke, ging es mir schon wieder um einiges besser! Doch dafür hat’s dann Toby erwischt, dem ging es noch viel schlechter als mir. Wir waren beide froh als wir endlich von Bord fahren konnten. Naja, ich nur für kurz, denn nun sollte ich den Camper vom Schiff fahren und uns zu einem Campingplatz kutschieren. Kaum ab dem Schiff, schon ging es Schlag auf Schlag – der Verkehr war der reinste Wahnsinn! (Und das war meine dritte Fahrschtunde…)
Wir schafften es dann doch noch irgendwie auf einen Campingplatz. Am nächsten Tag fuhren wir wieder nach Wellington, denn dort hatten wir mit Andrea und Christian (Andrea ist eine alte Bekannte von Toby) ein Rendezvous. Mit ihnen fuhren wir mit dem Cablecar in den Botanischen Garten der Stadt, doch ging dieser in den Gesprächen etwas unter. Andrea und Christian hatten soeben ihre Tour auf der Nordinsel hinter sich, so wie wir die auf der Südinsel. Das war eine gute Gelegenheit sich über die beiden Inseln auszutauschen und nützliche Informationen und Tipps weiterzugeben/zu erhalten. Nach einem gesprächsreichen Nachmittag ging es dann für mich und Toby auf Shoppingtour, denn er suchte ein Kabel, ich ein Buch und beides konnten wir schlussendlich nicht finden. Also brachen wir die Aktion ab und besuchten das Te Papa, ein Museum sondergleichen! Wir waren total überwältigt! Auf 6 Stöcken wurde die Welt erklärt, wie es scheint. Auf einem Stock gab es alles über die Maori zu erfahren, wobei riesig aufgebaute Hütten aus geschnitztem Holz den Mittelpunkt darstellten. Toby war ganz angetan von einem… keine Ahnung… Music-Touch-Light-Soundprojektor, der durch reines Hände ins Licht halten Töne von sich gab. Überall gab es interaktiv Wissen zu erforschen, auf neustem Stand der Technik! Eine Landkarte, auf die Man stehen konnte und am Rande etwas über die Umgebung, auf der man steht, erfahren konnte. Projektionen, die kleine Menschen auf Gegenständen herumturnen liessen. Ein Nachthimmel, der einem Maorigeschichten erzählt. Und unglaublich vieles mehr. Hier hätten wir 3 volle Tage verbringen können, ohne dass uns langweilig geworden wäre! Doch leider schloss das Museum um 18 Uhr und wir suchten uns etwas zu Essen und ein Internetkaffe.
Tags darauf war ein reiner Autofahrtag, über den es nichts Spannendes zu erzählen gibt. Oh, nein wartet, da gab es ein Dorf, durch das wir hindurch fuhren. Eine lange, von Bäumen und Häusern gesäumte Strasse und direkt in der Mitte zwischen den Häusern, als ob die Strasse gebaut wurde, um dem Berg zu huldigen, der da vor uns aus dem Boden ragte, thronte Mount Taranaki. Eine Krone aus weissem Schnee sass auf seinem Haupte und er schaute wachsam über sein Land.
Von dieser königlichen Pracht angezogen, beschlossen wir, am nächsten Tag einen Aufstieg zu wagen. Doch zuerst suchten wir noch einen Platz zum Schlafen, den wir schliesslich am Beach Wir-wissen-nicht-mehr-wieviel strandeten. Ein schwarzer Sandstrand. Hier sahen wir auch unseren ersten richtigen Sonnenuntergang in Neuseeland. Das ging Schwup-di-Wup und schon war die Sonne am Horizont verschwunden, ganz ohne eine Spur Abendrot zu hinterlassen.
Am nächsten Morgen standen wir relativ früh auf und zur Stärkung für den Tag gab es endlich die heiss ersehnten Pancakes! Yummie! Danach machten wir uns gleich auf, um den Mount Taranaki zu erklimmen! Das war ein ganz schönes Stück, muss ich euch sagen! Nicht die Distanz war das Problem, nein, die Steigung stellte für mich eine grosse Herausforderung dar. Toby schien ganz unbeeindruckt seinen Weg über die steilen Wiesen und Steinhaufen zu suchen, während ich keuchend hinterher trottete. Unser Ziel war die Vegetationsgrenze, die wir nach ca. 2.5 Stunden erreichten! Von dort oben hatten wir einen unglaublichen Ausblick auf die pizzaflache Ebene, die nur von einem weiteren Berg in der Ferne unterbrochen wurde. Dem Mount Ngauruhoe (ihr werdet ihn wohl eher als „der Schicksalsberg“ aus Herr der Ringe kennen).
Nach einer angemessenen und wohlverdienten Pause ging es an den Abstieg. Dieser war genauso mühsam wie der Aufstieg, doch wir waren um einiges schneller (vielleicht liegt das auch daran, weil wir die Hälfte des Weges wohl eher gerutscht, als gegangen sind). Von da aus ging es dann 2 Tage auf den „Forgotten World Highway“ (man braucht eigentlich nur knapp 4 Stunden dafür, aber für das Durchsausen war es uns schon zu spät und das wollten wir eigentlich auch nicht). Und hier fühlten wir uns den Hobbits ganz nahe. Überall waren kleine grüne Hügel, einer hinter dem anderen und einer nach dem anderen. Doch Hobbits sahen wir keine. Auch nicht in der „Hobbits Hole“, durch die wir durch fahren mussten. Aber der Name Forgotten World scheint Programm zu sein, hier scheint eine längst vergessene Welt zu liegen.

























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