Unser Bericht brach das letzte
Mal ab, als wir auf der Fähre nach Wellington sassen. Kurz nach Beendigung des
Berichts fuhren wir auf’s offene Meer und mir wurde kotzelend. Im richtigen Moment
traf die gute Fee ein, die fragte, wie es uns ginge. Kurzerhand erklärte sie
uns, dass wir uns am so ziemlich schlimmsten Ecken platziert hatten – am Heck
des Schiffes.
Noch nie bin ich so schnell
aufgesprungen und in den hintersten begehbaren Teil des Schiffes gerast, was
auf Deck war. Der kalte Wind sauste uns um die Ohren, doch mir war das total
egal. Nach ein paar Runden, kreuz und quer durch die dahin gestellten Bänke,
ging es mir schon wieder um einiges besser! Doch dafür hat’s dann Toby erwischt,
dem ging es noch viel schlechter als mir. Wir waren beide froh als wir endlich
von Bord fahren konnten. Naja, ich nur für kurz, denn nun sollte ich den Camper
vom Schiff fahren und uns zu einem Campingplatz kutschieren. Kaum ab dem
Schiff, schon ging es Schlag auf Schlag – der Verkehr war der reinste Wahnsinn!
(Und das war meine dritte Fahrschtunde…)
Wir schafften es dann doch noch
irgendwie auf einen Campingplatz. Am nächsten Tag fuhren wir wieder nach
Wellington, denn dort hatten wir mit Andrea und Christian (Andrea ist eine alte
Bekannte von Toby) ein Rendezvous. Mit ihnen fuhren wir mit dem Cablecar in den
Botanischen Garten der Stadt, doch ging dieser in den Gesprächen etwas unter.
Andrea und Christian hatten soeben ihre Tour auf der Nordinsel hinter sich, so
wie wir die auf der Südinsel. Das war eine gute Gelegenheit sich über die
beiden Inseln auszutauschen und nützliche Informationen und Tipps
weiterzugeben/zu erhalten. Nach einem gesprächsreichen Nachmittag ging es dann
für mich und Toby auf Shoppingtour, denn er suchte ein Kabel, ich ein Buch und
beides konnten wir schlussendlich nicht finden. Also brachen wir die Aktion ab
und besuchten das Te Papa, ein Museum sondergleichen! Wir waren total
überwältigt! Auf 6 Stöcken wurde die Welt erklärt, wie es scheint. Auf einem
Stock gab es alles über die Maori zu erfahren, wobei riesig aufgebaute Hütten
aus geschnitztem Holz den Mittelpunkt darstellten. Toby war ganz angetan von
einem… keine Ahnung… Music-Touch-Light-Soundprojektor, der durch reines Hände ins
Licht halten Töne von sich gab. Überall gab es interaktiv Wissen zu erforschen,
auf neustem Stand der Technik! Eine Landkarte, auf die Man stehen konnte und am
Rande etwas über die Umgebung, auf der man steht, erfahren konnte.
Projektionen, die kleine Menschen auf Gegenständen herumturnen liessen. Ein
Nachthimmel, der einem Maorigeschichten erzählt. Und unglaublich vieles mehr.
Hier hätten wir 3 volle Tage verbringen können, ohne dass uns langweilig
geworden wäre! Doch leider schloss das Museum um 18 Uhr und wir suchten uns
etwas zu Essen und ein Internetkaffe.
Tags darauf war ein reiner
Autofahrtag, über den es nichts Spannendes zu erzählen gibt. Oh, nein wartet,
da gab es ein Dorf, durch das wir hindurch fuhren. Eine lange, von Bäumen und
Häusern gesäumte Strasse und direkt in der Mitte zwischen den Häusern, als ob
die Strasse gebaut wurde, um dem Berg zu huldigen, der da vor uns aus dem Boden
ragte, thronte Mount Taranaki. Eine Krone aus weissem Schnee sass auf seinem
Haupte und er schaute wachsam über sein Land.
Von dieser königlichen Pracht
angezogen, beschlossen wir, am nächsten Tag einen Aufstieg zu wagen. Doch
zuerst suchten wir noch einen Platz zum Schlafen, den wir schliesslich am Beach
Wir-wissen-nicht-mehr-wieviel strandeten. Ein schwarzer Sandstrand. Hier sahen
wir auch unseren ersten richtigen Sonnenuntergang in Neuseeland. Das ging
Schwup-di-Wup und schon war die Sonne am Horizont verschwunden, ganz ohne eine
Spur Abendrot zu hinterlassen.
Am nächsten Morgen standen wir
relativ früh auf und zur Stärkung für den Tag gab es endlich die heiss
ersehnten Pancakes! Yummie! Danach machten wir uns gleich auf, um den Mount
Taranaki zu erklimmen! Das war ein ganz schönes Stück, muss ich euch sagen!
Nicht die Distanz war das Problem, nein, die Steigung stellte für mich eine
grosse Herausforderung dar. Toby schien ganz unbeeindruckt seinen Weg über die
steilen Wiesen und Steinhaufen zu suchen, während ich keuchend hinterher
trottete. Unser Ziel war die Vegetationsgrenze, die wir nach ca. 2.5 Stunden
erreichten! Von dort oben hatten wir einen unglaublichen Ausblick auf die
pizzaflache Ebene, die nur von einem weiteren Berg in der Ferne unterbrochen
wurde. Dem Mount Ngauruhoe (ihr werdet ihn wohl eher als „der Schicksalsberg“
aus Herr der Ringe kennen).
Nach einer angemessenen und wohlverdienten Pause
ging es an den Abstieg. Dieser war genauso mühsam wie der Aufstieg, doch wir
waren um einiges schneller (vielleicht liegt das auch daran, weil wir die
Hälfte des Weges wohl eher gerutscht, als gegangen sind). Von da aus ging es
dann 2 Tage auf den „Forgotten World Highway“ (man braucht eigentlich nur knapp
4 Stunden dafür, aber für das Durchsausen war es uns schon zu spät und das
wollten wir eigentlich auch nicht). Und hier fühlten wir uns den Hobbits ganz
nahe. Überall waren kleine grüne Hügel, einer hinter dem anderen und einer nach
dem anderen. Doch Hobbits sahen wir keine. Auch nicht in der „Hobbits Hole“,
durch die wir durch fahren mussten. Aber der Name Forgotten World scheint
Programm zu sein, hier scheint eine längst vergessene Welt zu liegen.
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