Freitag, 11. Januar 2013

Von Bergbesteigungen und Jungelexpeditionen

Nach einer Übernachtung am Rande der Crown Range Road, die sich auf 1000 Metern befindet,  sind wir am Morgen in aller Früh aus unserem Büsschen gesprungen und haben uns auf den Weg zum Gipfel des Mount Pisa gemacht. Es ging hinauf und immer weiter hinauf. Der Wind peitschte uns um die Ohren und machte unsere Schritte lahm. Wir stiegen und stiegen und das Ende schien in Sicht! Aber hinter dem Hügel gab es einen weiteren Hügel, der noch etwas höher, von der anderen Seite aus aber nicht zu sehen war. Also stiegen wir weiter im Zickzackkurs den Hügel hinauf. Der Wind pustete und pustete, als wolle er uns von seinem Berglein pusten! Doch wir stiegen weiter und das Ende schien in Sicht. Fast oben angelangt, führte der Weg weiter, die nächste Höhe hinauf. Und so ging es uns nicht zum letzten Mal. Als wir endlich oben ankamen wurden wir von heftigen Winden begrüsst, die uns fast davon getragen haben. Hätten wir unsere Regenjacken geöffnet, wären wir wie Vögel ins Tal gesegelt! Von oben hatten wir einen tollen Blick auf Queenstown und Lake Wakatipu. Lange geniessen konnten wir den Anblick nicht, denn der Wind wurde so heftig, dass wir uns recht bald wieder von Dannen machten. Ausserdem fing es an zu Regnen. Nein, wir steckten in einer Wolke. Wir stiegen also wieder hinunter. Kaum unten angekommen, prasselte der Regen auf unser Dach.
Und dieser Regen verfolge uns von nun an. Wir fuhren durch Wanaka und über den Haastpass. Die Landschaft soll fantastisch sein! Leider sahen wir nicht viel davon, denn der Regen machte keine Pause. Auf dem Weg gab es einige Wasserfälle zu besichtigen, die in den Regenmassen zu riesigen braunen trommelnden Lawinen anschwollen. Es goss uns aber doch zu sehr und wir beschlossen abzuwarten, bis der Regen vorüber war. Wir verkrochen uns in unserem Wohnmobil. Als es dann dunkel erleuchtete unser Mobil immer wieder in hellem Licht. Ein heftiges Gewitter war über uns angekommen und es goss aus vollen Kübeln. Es blitzte und donnerte, doch der Donner war nur selten zu hören, so schlug der Regen auf unseren Camper nieder!

Vom Gewitter in der Nacht waren am Morgen teilweise Strassen gesperrt oder mussten zuerst von umgestürzten Bäumen frei geräumt werden. Wir hatten Glück und konnten ohne weitere Probleme weiter fahren. Doch von der schönen Aussicht, die der Lonely Planet verspricht, sahen wir auch an diesem Tag nicht viel, denn die Regenschauer gingen weiter, wenn auch weniger heftig wie in der Nacht zuvor. Wir besuchten den Fox Glacier und den Franz Josef Glacier, waren allerdings nur mässig beeindruckt. In der Schweiz kommt man eben doch näher an die Gletscher heran, auch ohne geführte 30 Mann Tour. Aber hier breiten sie sich um einiges schneller aus – zwischen 1 und 5 Meter am Tag wachsen die Gletscher! In Ross, einem kleinen Goldgräberdorf hielten wir kurz an, aber nur um unseren Wassertank wieder zu füllen. Unser Nachtlager schlugen wir am Lake Kaniere auf, wo mich einen Moment lang die Lust ergriff, in den eiskalten See zu springen (was nach einigen Tagen ohne Dusche wohl kaum so ungewöhnlich ist!). Abgehalten davon wurde ich von den Fischern, die hier auf dem Steg Diverses an Land zogen (anstandshalber liess ich den fischevertreibenden Platscher ins kühle Nass aus).

Die gestrige Mission lautete vorerst: Ab nach Hokitika ins gewärmte Hallenbad zu einem kräftigen Schwumm und vor allem einer wohlverdienten Dusche! Nach diesem Badevergnügen gönnten wir uns einen Spaziergang durch die Stadt. Hier boomte der Jadehandel! Man bekommt es geschliffen, im Rohzustand, zu kleinen Kiwis, Federn, Pinguinen und Schildkröten geschnitzt, in traditionellem grün oder in weiss und schwarz. Aber natürlich zu immensen Preisen. Wir suchten uns lieber ein Kaffee und wurden schliesslich im Hinterhof eines Secondhandladens fündig. Die Stimmung ist schwer zu beschreiben, aber wenn ihr die Bilder seht könnt ihr es euch vielleicht vorstellen! Dort standen alte Stühle, aus Holz geschlagene Bänke und alles umrundet mit vielerlei Pflanzen. Das ganze hatte seinen ganz eigenen Charme, in dem wir uns super wohl gefühlt haben!
In Punakaiki besichtigten wir, in Vorbereitung auf Indonesien, die (Banana) Pancake Rocks. Die sehen wirklich so aus, als hätte jemand zu viele Pancakes aufeinander gestapelt! Und von so viel Pancakesgerede haben wir auch schon richtig Appetit auf Pancake bekommen! Gabs aber nicht! Zur Ablenkung machten wir uns auf, die Fox River Caves zu erforschen! Doch vor der Erforschung hiess es: Wer sucht, der findet! Durch Schlamm und reissende Flüsse musste gewatet werden (was mit einer Kamera im Gepäck das ein oder andere Mal für spannende Momente sorgte) und zwischendurch mussten auch die orangen Schildchen gesucht werden, die den Weg anzeigen. Die seifenglatten Steine kurz vor der Höhle sorgen dann nochmals für eine Rutschpartie der ganz besonderen Art, bevor wir unsere Taschenlampen zückten und die Tropfsteinhöhle endlich von innen begutachten konnten. Wir waren die einzigen Besucher und es war stockfinster, zum Glück war Tobys Taschenlampe hell genug für uns beide! Wir stiegen über Stalagmiten, die wie Augen aus dem Boden Aufragten (sie erinnerten mich an Augen, weil bei den Meisten der obere Teil kreisrund und weiss war, wie Augen eben). Die Höhle ging weiter hinein als wir gedacht hatten! Doch an einem Punkt ging es nicht mehr weiter, weil der darauf folgende Teil unter Wasser stand. Wir konnten den mehr oder weniger „befestigten Weg“ sehen, der vielleicht ohne die tagelangen Regenfälle begehbar gewesen wäre. Der Rückweg war um einiges leichter als der Aufstieg und wir sahen in dem Regenwald eine einsame Ziege. Wir nehmen an, dass es der Geist jener Ziege ist, die vor 1900 jenem Bauern abgehauen ist, der die Fox River Caves entdeckt hat – eben weil er die Ziege suchen musste.































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