Sonntag, 31. März 2013

Die letzten Tage in Australien


Der Rückweg von Bayron Bay nach Sydney gestaltete sich relativ unspektakulär. Wir suchten noch einige Strände auf, um das Surfbrett noch richtig auszunutzen, fanden jedoch keine gute Welle. Ausserdem suchten wir ein Restaurant, das australische Gerichte servierte, denn wir wollten unbedingt Känguru probieren. Wir waren da nicht so hartgesotten wie einige Australier, die das Roadkill von der Strasse lesen, falls das Fleisch, das da herumliegt noch relativ frisch aussieht. Gefunden haben wir dann das Yanning Tree in Nambucca Head, auf dessen Speisekarte Känguru an einer Jus Chocolat servierte. Ausserdem bestellten wir das Crocodile Cappaccio. Wenn schon, denn schon! Da wir den ganzen Tag auf unser Festmahl am Abend hinblickten und darum sehr bescheiden in unserer Nahrungsaufnahme waren, hatten wir ganz schön Hunger als wir im Restaurant ankamen. Wir wussten natürlich schon im Voraus was wir bestellen wollten und so dauerte es auch nicht lange, da hatten wir beide Platten vor uns. Da merkten wir, in was für einem exquisiten Laden wir gelandet sind, dementsprechend klein waren di e Portionen, dafür war das Essen aber auch total lecker. Vor allem das Känguru war der absolute Hit. Das Fleisch war zart wie Butter! Das Krokodil war auch nicht zu verachten, nur das drum herum war nicht ganz mein Geschmack. Als wir das Yanning Tree verliessen waren wir einerseits zufrieden, andererseits auch immer noch hungrig. Wir fanden nämlich im Nachhinein heraus, dass man sich zu den Gerichten hätte Beilagen bestellen können! Hätte das der gute Herr Ober mal erwähnt! Aber immer diese Touristen!
Schon kurz darauf waren in Cronulla, wo wir uns nochmals bei Flo einnisteten durfen, der uns schon zu Beginn unserer Australienreise bei sich aufnahm. Hier konnten wir den Strand und Toby auch die Wellen nochmals ausnutzen (mir waren sie zu gross), bevor wir uns für einen Tagesausflug in die Nähe von Kiama aufmachten. Dort hatten wir das Surfbrett gekauft und wollten es nun da wieder verkaufen. Gesagt getan! Wir nahmen mit leichtem Schwermut Abschied von unserem Wellenpferd und überliessen es den geschickten Händen des Alten, der das Board selbst gebaut hat. Einen Blick durften wir auch in die Werkstatt werfen! Echt cool!
Am nächsten Tag hiess es dann: Camper putzen! Die Zeit mit unserer guten alten Gertrud* war beinahe vorbei und wir mussten noch unser Versprechen einlösen, das wir ihr auf der Fahrt nach Nimbin gaben. Also räumten wir unser Gipsymobil aus. Was da zum Vorschein kam verschlug uns fast die Sprache! Da türmte sich plötzlich ein riesiger Berg voller Krimskrams an! Von wo der wohl gekommen sein mochte!? Wir standen eine Weile fassungslos da und liessen diese Türme auf uns wirken… Und sie wirkten… Alles fluchen und wettern half auch nichts, das musste irgendwie ausgemistet und aufgeräumt werden. Also machten wir uns an die Arbeit. Wir schrubbten, klapperten, räumten und schüttelten zwischendurch mit dem Kopf, während wir auf die nicht kleiner werden wollenden Berge starrten. Nach geschlagenen drei Stunden der Verzweiflung dann die Erlösung: alles war geputzt, aufgeräumt und irgendwie und irgendwo versorgt. Phu! Fehlte nur noch die Waschanlage für die gute Gertrud*, die wir an diesem Tag nirgends mehr finden konnten. Doch Tags darauf, als wir uns in die Stadt aufmachten, um sie nach Hause zu bringen, konnten wir unser Versprechen dann doch noch ganz einlösen. Toby schrubbte in einer Selbstbedienungswaschanlage den Dreck der vergangenen Wochen von Gertruds* Gehäuse, bis sie strahlte wie noch nie. Jetzt war sie bereit nach Hause zu gehen, das merkten wir ihr an. Darum fuhren wir sie ohne weitere Umwege zurück. Und dann hiess es Abschied nehmen. Gertrud, wir vermissen dich jetzt schon!
Der Weg zu unserem freundlichen Hostel für Mensch und Schabe war kurz aber knackig, denn wir hatten ja die ganzen Türme, die wir aus dem Auto gefischt hatten auf den Buckel geschnallt! Wir sahen wohl aus wie die grössten (naja eher die kleinsten) Packesel! Jeder ein Rucksack auf dem Rücken, eine Tasche vor die Brust geschnallt und je zwei Tüten in den Händen. Kein Wunder sah man hier und dort ein flüchtiges Schmunzeln. Diese Last, so sagten wir uns, mussten wir loswerden. Also ging es zur Post und ein Packet holen, dass wir dann nach Hause schicken konnten. Dieses füllten wir bis oben hin und doch war da nicht genug Platz! Also nochmals zur Post und ein grösseres Packet anfordern. Aber das gab es gar nicht! Wir hatten schon die grösste Schachtel ausgesucht! Die Lösung für das Problem könnt ihr wahrscheinlich erraten… (für Antwort siehe Fotos)
Den nächsten Tag verbrachten wir mit einem Stadtspaziergang, der ins Nirgendwo und zurück führte, wir mussten schliesslich den Tag irgendwie rum bringen. Glücklicherweise kam Flo am nächsten Tag nach Sydney, ohne den wir halb Sydney verpasst hätten.  
Mit der Monorail machten wir eine kleine Rundfahrt durch die Innenstadt und Flo kommentierte die Fahrt wie ein echter Touristenguide. Ein waschechter Sydneyianer hätte das nicht besser hinbekommen! Anschliessend setzten wir unsere Besichtigungstour fort und erkundeten Chinatown, wo wir ein unglaublich gutes und noch dazu günstiges Essen verschlangen, das auf einer heissen  Eisenplatte serviert wurde. Es brutzelte noch als Toby es an unseren Tisch brachte und der scharfe Dampf hing wie eine Wolke um uns. Gestärkt ging es weiter und wir schauten uns den Darling Harbour an, eine riesige Flaniermeile um den Hafen, gespickt mit unzähligen Restaurants, Clubs, Museen und Ausflugsziele für jung und alt. Wir fanden sogar ein Lindt Caffee, in dem wir kleine Ostereier abstaubten (als Toby erwähnte, dass wir Schweizer sind gab’s noch ein Ei obendrauf!) und somit mussten wir nicht auf die schweizer Osterschokolade verzichten.
Unsere Tour ging weiter und wir beschlossen, uns ins Nachtleben von Sydney zu stürzen. Wir fanden eine gemütliche Bar mit Live-Band und  Sitzplatz direkt an der Hauptflanierstrecke (oder wie Flo es nennt: Walk of Shame). Wir genossen die Aussicht in vollen Zügen und schmunzelten nicht schlecht über das Partyfolk Sydneys, das über den Walk of Shame stolperten und schwankten. So liessen wir diesen Abend bei einem (für uns) sau teuren Bier ausklingen.
Am nächsten Tag besichtigten wir das am Vortag erkundete Sydney noch bei Tageslicht, mussten jedoch feststellen das Sydney bei Nacht einfach mehr Charme besitzt, wie das eben bei den meisten Städten so ist. Auch ein Abstecher über den Paddys Market liessen wir uns nicht entgehen. Ein Stand reiht sich an den anderen und jeder zweite verkauft dasselbe zum genau gleichen Preis. Mit Handeln ist da auch nichts! Den restlichen Tag verbrachten wir mit packen und damit uns auf den morgigen Tag zu freuen, denn dann fliegen wir nach Bali! Juhii!
(*richtiger Name der Redaktion bekannt)

























Samstag, 23. März 2013

Surfen auf Wellen des Glücks


Bayron Bay ist DAS Surferparadies. Noch nicht in der Stadt angekommen reihen sich links und rechts der stark befahrenen Strasse Shops auf, die alles rund ums Surfen, Paddeln, Bodyboarden, etc. vermieten. Fährt man dann in die Stadt verzehnfacht sich die Dichte der Shops, wobei sich diese den Platz mit naturbewussten Bioläden, unzähligen Boutiquen und schicken Restaurants und Kaffees teilen.
Ein reges Tun erfüllte die kleine etwas grössere Stadt. Schwärme von Jung, Alt, Klein und Gross tummelten sich überall in der Bucht und alle wollten eins: Surfen. Oder zumindest dabei zusehen. Toby schien im Himmel angekommen zu sein. Endlich unter seinesgleichen ging es sofort an den Strand. Wohin das Auge rechte, alles voller Wellenreiter auf der Lauer nach einer ungestümen Welle, die es zu bändigen galt. Da wurde auf einer Distanz von wenigen Metern um die Welle gestritten wie bei einem Lanzentournier, nur dass sie nicht aufeinander zu ritten, sondern in dieselbe Richtung. Naja, Lanzen hatten sie natürlich auch keine dabei… Jedenfalls gewann der Stärkere das Rennen und durfte auf der Welle, SEINER Welle, seine einstudierten Kapriolen der glotzenden Menge präsentieren.
Unser erster Tag in Bayron Bay beschränkte sich auf einen kleinen Stadtbummel, da es erstens schon gegen Abend war und zweitens regnete. Aber einen kleinen Surfgang konnte ich Toby nicht verwehren, also ging es trotz allem noch zum Strand. Kaum angekommen war Toby in den Wellen verschwunden. Und es begann aus Kübeln zu giessen. Viel mehr blieb mir nicht übrig als das Bedetuch über den Kopf zu ziehen und zu warten bis das Schlimmste vorüber war. Wäre ich zum Auto zurück gelaufen, dass am anderen Ende des Strandes warm und wetterfest auf mich wartete, hätte man mich auswringen können, also versuchte ich einfach, mich so wenig wie möglich zu bewegen, während der Regen auf mich einschlug. Toby war ja schon nass, da machte der Regen nicht mehr viel aus. Nach dieser kleinen… Erfrischungen machten uns bald zu dem relativ nahegelegenen Rastplatz, der für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollte (mit Unterbrechung). Am nächsten Tag machten wir uns auf, um uns eine Welle zu schnappen. Ich sollte wohl sagen, um Toby eine Welle zu schnappen, denn ich war gesundheitlich ausser Gefecht gesetzt worden und blieb so am Rande des Geschehens auf dem einzigen mehr oder weniger Wasserfreien Stückchen Strand sitzen, den ich finden konnte. Es war Flut. Aber die Badetücher waren sowieso noch nass vom Vortag, wodurch der nasse Boden kaum auffiel. Toby ward vom Meer verschluckt und ich gab mich meinen Büchern hin.
Wir beschlossen, am nächsten Tag dem Rat einer Freundin zu folgen und nach Nimbin zu fahren. Kurz im Lonely Planet schlau gemacht, hörte sich das alles sehr witzig an. Nimbin sei ein berauschendes Erlebnis (gute Wortwahl!), das man sich nicht entgehen lassen dürfe. Man solle sich ein, zwei Tage Zeit lassen, denn es gäbe Künstler, New-Age-Flair und freundliche Leute zu entdecken.
Die Information dass wir nach Nimbin fahren drang zu meiner Mutter durch, die natürlich gleich mal den Fortschritt der Zeit nutzte und googelte. Was ich da zu Ohren bekam… Aber wir waren schon auf unserer Spritztour quer durch den Nationalpark, dessen zentraler Punkt ein Berg Namens Jerusalem war.
Die Strasse war alles andere als eine Strasse und glich einer Mondlandschaft. Und wer sich das nicht vorstellen kann, dem sei gesagt, es holpert ganz schön. Ein Achtung hier, ein Achtung da und eine sorgenvoll festgekrallte Vero im Auto. Meine Besorgnis um unsere gute alte Gertrud* und ihre Achsen war riesengross. Sollte sie das wirklich schaffen, so versprachen wir ihr, bekommt sie eine neue Tankfüllung und eine Ladung Öl oberdrauf. Wir feuerten sie an, tätschelten sie von Zeit zu Zeit und redeten ihr gut bei. Und unsere Gertrud*, das alte Haus, liess uns nicht im Stich! Hier muss mal erwähnt werden, welche gute Dienste uns unsere Gertrud* leistet und das in ihrem betagten Alter!
Von der wunderschönen Buschlandschaft bekamen wir zwar nur wenig und nur am Rande mit, denn wir waren reichlich beschäftigt jedem Meteoriteneinschlag auszuweichen, trotzdem bemerkten wir sie und mussten zugestehen, dass es den Weg wert war, den wir eingeschlagen haben. Wir hätten natürlich einen anderen Weg fahren können, auf einer geteerten Strasse, aber wo bliebe dann der Spass? Ausserdem sieht man nichts von der Landschaft. Australien kann man eben nicht auf den Highways sehen, sondern muss die kleinen Strässchen und langen Dirtroads suchen, die durch Wald, Busch und am Meer entlang führen.
Und plötzlich waren wir in Nimbin. Dem alternativen Zentrum für Aussteiger, Rastaman, Hippies und Wochenendtouristen. Sogleich umgab uns eine bunte Szenerie. Die Wände und Aushängeschilder der Geschäfte waren mit tollen Riesenmalereien gefärbt und auf der Strasse hörte man chillige Reggaetöne. Die Luft war erfüllt von tausend Düften der dampfenden Räucherstäbchen, die einem Geist und Sinne benebeln und die Leute lebten in den Tag hinein, indem sie in einem der Kaffees oder einfach irgendwo auf der Strasse sassen und an ihrer Zigarette oder Heissgetränk nuckelten. Alle Leute waren äusserst freundlich und viele fragten aufgeregt: „Hey! Pst, pst… Are you ok?“ Vor allem in den Seitengassen waren die Leute sehr besorgt um unser Wohlergehen. Sogar die Kaffeetante im Museum, das übrigens echt schräg ist, war nicht nur um unsere Kaffeejunkie-Bedürfnisse besorgt. Ein alter Mann, der tolle, abgespacete Bilder zeichnete, die irgendwie an Yoda und seine Artgenossen erinnerten, war sogar so freundlich uns von seinen Cookies anzubieten. Wir hatten aber gerade erst gegessen, warum wir auch dankend ablehnten. Wirklich sehr nette Leute in Nimbin!
Wir waren ok aber etwas verwirrt und trotzdem stark beeindruckt von dem Museum, dass ein Haufen Überbleibsel, Zeitungsartikel, Fotoschnippsel, Totenköpfe von Tieren und mancherlei Kuriositäten enthielt, die allesamt kreuz und quer aufgetürmt (und das ist wörtlich zu nehmen) langsam aber sicher verstaubten. Das Museum zeigte die Entwicklung der bunten Stadt, von den Aborigines über die Kolonialisierung, das Aquarisfestival von 1973 und das alljährliche Madigasfestival ins Hier und Jetzt. Ein verschlungener Weg führe durch 4 oder 5 Räume, die als solche nicht mehr zu erkennen waren. Einige glichen Abstellhallen, andere erinnerten an gruselige Gruften, in denen Parolen von Liebe, Glückseeligkeit und freiem Handel in alten Kastenfernsehen liefen. Echt von einem anderen Stern… Leuten, die gerade in anderen Hemisphären schweben, raten wir ab, das Museum zu besuchen, da ein Aufenthalt zu langanhaltenden panischen Angstzustände und Verfolgungswahn führen kann.
Alternativ, das ist das richtige Wort für Nimbin. Die Leute sind alternativ, die ganze Aufmachung ist alternativ und sogar die Kräuter sind alternativ. Leider müssen wir auch zugeben, dass viele traurige Gestalten, die sich nicht nur ein Kraut zu Gemüte geführt haben,  in Nimbin leben, gezeichnet von ihren nicht enden wollenden wilden Jahren. Das ist wohl die Kehrseite der Medaille…
Einmal mehr mussten wir feststellen, dass der Lonely Planet ein Lonely Liar ist. Wir konnten nicht länger als einen Nachmittag in Nimbin bleiben, denn die kleinen Shops hatten wir allesamt abgeklappert und viel mehr gibt es in Nimbin einfach nicht zu sehen. Also beschlossen wir, uns in dem nahegelegenen Nationalpark einen gemütlichen Abend mit Korma und selbstgebackenen Ciabatti zu machen.
Am nächsten Tag besuchten wir den Wasserfall des Parks und hatten eigentlich vor bis zum Fuss des Wasserfalls zu wandern, allerdings war der kurze Trak geschlossen und der längere hätte 4 Stunden pro Weg gedauert… das war uns dann doch zu lange. Also fuhren wir wieder Richtung Bayron Bay, durch den Nationalpark hindurch und ich fühlte mich wie auf Safari. Unsere Gertrud* holperte über Stock und Stein und wir wurden hin und her geschüttelt, während der Busch vor dem Fenster an uns vorüberzog, mit seinen tausenden und abertausenden von (Krabbel)-Tieren.
Nochmals zwei Tage Bayron Bay, die durchzogen wurden von Regenschauern. Das reichte uns dann auch und wir beschlossen langsam aber sicher den Rückweg nach Sydney anzutreten.

(*richtiger Name der Redaktion bekannt)



















Montag, 18. März 2013

Auf in die Blue Mountains!


Hui, da ist ganz schön viel Zeit vergangen und wir sind mit unseren Reiseberichten doch ganz schön in Verzug geraten! Jetzt heisst es Gedanken ordnen und fix einen (oder wahrscheinlich eher zwei) Beiträge verfassen, damit du, geehrter Leser, wieder etwas Lesestoff vor die Linse bekommst. Also dann, wir waren bei unserer Abreise von Adelaide…
Da wir von Adelaide wieder zurück in Richtung Sydney mussten, stellte sich die Entscheidung, ob wir an der Küste entlang zurück fahren sollten, oder durch das Landesinnere und die Blue Mountains.  Schnell entschieden wir uns für den kürzeren und neuen Weg durch die Berge. Kurz bevor  die Strasse in den blauen Eukalyptusdunst führte, hielten wir im Informationszentrum an, um uns über die Wanderwege und die beste Route durch die Berge (davon gab es lediglich zwei) kundig zu machen. Im I-Site begrüsste uns eine ältere Dame und stellte sich uns sofort freundlich zur Auskunft zur Verfügung. Wir erklärten unser Vorhaben: Durch die Blue Mountains, ein/zwei kleine Wanderungen und eine Übernachtung. Sie hackte nach, also ob wir wandern wollen. Klar wollten wir wandern und sie ging los um eine Karte zu besorgen und begann eifrig uns einige Orte zu zeigen: „I can write some places down for you!“ Und dann begann eine unendliche Geschichte von Orten, die allesamt fein säuberlich aufgeschrieben werden wollten und natürlich stand auch immer dahinter, was man dort so machen könne. „Here good Shops“, erklärte sie in verbalen Wortketten, denn Touristen verstehen im Allgemeinen keine zusammenhängenden Sätze. „Here also good Shops but here better… also nice Coffee but here also  Coffee” Hikingpläne gab es nicht mehr auf Vorrat, also wurde unsere eigentliche Frage, wo man denn wandern könne, einfach unter den Tisch gekehrt, wer will denn schon wandern? „Here I-Max Cinema. Very intressting.“  Ich gab mir alle Mühe während dem netten Gespräch mit der freundlichen Dame nicht laut los zu lachen und stupste Toby unauffällig an. Toby, wie immer, total lässig, verzog keine Miene und nickte einfach nur.
Also blieben wir bei unserem eigentlichen Plan: einfach mal drauf los! Und das war wohl die bessere Entscheidung, als das I-Max und die Shops und better Shops abzuklappern, auch wenn das Wandern grösstenteils ausblieb.  Die Blue Mountains wurden grösstenteils von Touristen aus aller Welt eingenommen. Wie wir schon befürchtet hatten sind sie eine reine Touristenfalle!  Die Landschaft ist schön und nur wenige Stunden von Sydney entfernt, da ist ein Ausflug aus der Stadt naheliegen. Wer nicht die Zeit hat, den Kontinent weiter zu erkunden, findet dort wohl etwas Natur und ein Häppchen Australien. Reisebusse und Hop-on Hop-off Busse belagerten die Lookouts und die Chinesen, Japaner, Deutschen und so weiter drängten sich an die Brüstung, um ein Erinnerungsfoto zu schiessen. Wir gaben auf, unser Glück hier zu suchen. Trotz allem müssen wir zugeben, dass die Aussicht nicht schlecht ist. Man sieht auf die zugewachsenen Täler, durch die sich Flüsse schlängeln. Die Natur breitet sich hier aus, wo immer sie ein Plätzchen findet. Auch wir fanden ein Plätzchen zum Übernachten, ein Campingplatz mitten im Busch (leider etwas sehr überfüllt aber an sich wirklich super)
Wir verliessen die Blue Mountains nach zwei Tagen und fuhren an Sydney vorbei, in Richtung Bayron Bay. Der Weg führte uns durchs grüne Hinterland der Nordküste, wo sich Kängurus und Riesenechsen gute Nacht sagen. Zunächst führte uns die Strasse nach Diamonds Head, das wir nach einer Nacht in einem der zahllosen Nationalparks Australiens und einer holprigen Fahrt über die  Dirtroad, die sich wie ein langer Schweizerkäse vor uns dahinzog. Wir hofften dort das Surfbrett aus der Verbannung zurück zu holen, denn unser guter alter Reiseführer war der Meinung, dort könne man gut Wellenreiten, was dann aber doch nicht der Fall war. Wir fuhren also weiter durchs Hinterland und fanden einen kleinen Campingplatz weit jeglicher Zivilisation entfernt. Dort trafen wir auf die Grey Nomads, wie sie sich selbst stolz nennen. Ein Haufen Rentner, die sich mit ihrer Rente einen Camper zugelegt haben und nun die Welt, bzw. Australien auf vier Rädern und mit aller Zeit der Welt erkunden. Wir wurden kurzerhand eingeladen ein Schwätzchen mit ihnen zu halten und ihren Toilettenweg, den sie sich zum Klohäuschen angelegt haben, zu benutzen. Wir wurden Fans ihres Lebensstiels, der leicht und unbekümmert in die Zukunft sieht. Hier eine Weile, dort eine Weile und dann wohin sie der Wind weht, bevor sich die Enkelkinder ankündigen oder der Mumm zum Entdecken und Reisen verloren geht. Irgendwann kommt die Zeit, da geht das nicht mehr, also machen sie es jetzt.
Da wir leider nicht die Zeit hatten länger als eine Nacht zu bleiben, liessen wir die Grey Nomads hinter uns und bahnten uns den Weg nach Bayron Bay, der Surfstadt Nummer Eins! Aber der Weg dorthin nahm noch ein zwei Tage in Anspruch, bevor die unzähligen Surfshops langsam am Strassenrand auftauchten.