Wir quetschten uns zu dritt ins
Auto und los ging die nicht enden wollende Fahrt ins Nirgendwo. Es dauerte auch
keine Stunde, da waren wir der Zivilisation entschwunden. Die unendlichen
Weiten waren mit Weideland überzogen und bald schon wechselte die Landschaft in
das, was man hier Wüste nennt. Mich erinnerte das ganze eher an afrikanische
Steppe und Toby pflichtete mir bei. Der rote Sand, die gelben Gräser und die
verknorrten Bäume gaben ein wunderbares Bild ab. Vor allem unser erster
Sonnenuntergang in der Wüste war ein echtes Highlight. Aber irgendwie waren die
Fliegen hier etwas aufsässig. Und dieser Zustand wurde am nächsten Tag erst so
richtig bewusst. Hier in der Wüste wimmelt es nur so von Fliegen, die darauf
warten, dass ein Tourist aus dem Auto steigt. Sobald die Türe geöffnet wird,
stürzt sich eine Armee Fliegen auf die unglückselige Person und wird in grossem
Stil von oben bis unten besetzt. Frische Luft schnappen war also nicht drin.
Sobald die Sonne aufging, waren die Fliegen da und irgendwann nach
Sonnenuntergang verschwanden sie wieder – dazwischen war Autozeit.
Wir fuhren die Tage durch.
Eigentlich war frühes Aufstehen und Losfahren geplant, doch nun hiess es,
solange schlafen wie möglich (was den Herren der Schöpfung äusserst leicht
fiel) und sobald es im Camper heiss wurde los fahren. Und zwar bis es draussen
wieder kühler wurde. Diese Technik bewährte sich zum einen dadurch, dass das
Fliegenproblem einigermassen gelöst war, andererseits war die Hitze in der
Mittagssonne zu intensiv, als das man im Auto hätte ausharren können und
Schatten kennt man da draussen nicht. Hätte man aus dem Auto steigen können,
hätte man ein Lüftchen spüren können, das wirklich angenehm war und auch die
Hitze ertragbar gemacht hätte, doch da draussen die Fliegen auf uns warteten
war das keine Option. So fuhren wir also die Tage durch, machten Halt zum
Tanken und zum Essen und auch mal um eine Stadt anzuschauen.
An Tag vier erreichten wir den
Uluru-Kata Tjuta National Park und wir waren glücklich, der Tag war bewölkt und
der Base Walk um den Uluru (auch als Ayers Rock bekannt) wartete auf uns. Der
Anblick des Uluru war beeindruckend. Wir kennen den Rock von Fotos und
Dokumentarfilmen, doch in echt sieht er ganz anders aus. Er ist nicht einfach
nur ein grosser Stein. Seine Wände erzählen Geschichten. Auch unsere Bilder
werden hier nur einen Bruchteil dessen aufzeigen können, was der Uluru wirklich
ist. Klüfte und Höhlen graben sich in den Stein und schauen wie Gesichter auf
diejenigen herab, die ihn umkreisen. Der Spaziergang dauerte etwa drei Stunden.
Ich für meinen Teil dachte nie anzukommen, denn es schien so, als würde man fortlaufend
in eine Richtung gehen. Doch plötzlich erreichten wir den Parkplatz wieder.
Irgendwie seltsam verwirrend.
Nach Umrundung des Uluru
entschieden wir kurzerhand, auch gleich noch die Kata Tjuta (übersetzt „viele
Köpfe“) zu besuchen. Die Kata Tjuta sind Gesteinsformationen, die wie Berge und
Hügel auf engem Raum aussehen. Ganz anders als der Uluru bestehen die Kata
Tjuta nicht scheinbar aus einem Stein, sondern aus Milliarden kleiner
zusammengewürfelter Steine. Durch das Valley of the Winds, das sich durch die
Kata Tjuta zieht, wanderten nochmals drei Stunden und genossen die herrliche
Aussicht. Wir müssen zugeben, dass uns die Kata Tjuta noch mehr faszinierten
wie der Uluru selbst. Aber am allermeisten fasziniert hat uns der Kings Canyon,
den wir tags darauf besichtigten.
Bevor wir zum Kings Canyon
aufbrachen, erkundigten wir uns bei einem lokalen Geschäft, ob der Aufstieg
möglich sei, denn ab einer gewissen Temperatur wird der Walk geschlossen. Etwas
verdutzt wurden wir gemustert als wir diese Frage stellten. Heute sei es
relativ kalt, 35 Grad, da ist der Aufstieg kein Problem. Wir froren nicht
gerade, als wir die steile Felstreppe emporstiegen, aber wir mussten zugeben,
es hätte schlimmer kommen können. Wir umkreisten also den Kings Canyon, dessen
Name völlig unzureichend für die Aussicht von da oben ist. Die Aussicht war
schlicht und einfach atemberaubend. Der Canyon stürzte an steilen Wänden hinab
und formte ein grün bewachsene Oase. Eine Stelle im Canyon war erfüllt von
Vogelgezwitscher und Farnpalen schossen in die Höhe. The Garden of Eden. Wir
genossen den Rundgang in vollen Zügen. Ich glaube im Namen von allen sprechen
zu können, wenn ich behaupte, dies sei bis jetzt das Highlight von Australien
gewesen.
In der Wüste gibt es nicht viel
mehr zu sehen, was die Fliegenschwärme und die übermässige Hitze länger
ertragbar macht, weshalb wir uns entschlossen, die Rückreise anzutreten. In
Coober Pedy, einer Stadt auf halber Strecke zwischen Alice Springs und Adelaide
machten wir Halt. Die Stadt ist eine reine Goldgräberstadt, wobei hier kein
Gold, sondern Opale gegraben werden. Die Stadt selbst sieht aus wie.. schwer zu
sagen. Heruntergekommen, wobei erst etwas da sein muss, bevor es herunterkommen
kann und das ist auch schwer von Coober Pedy zu sagen. Das Meiste läuft
unterirdisch ab (was man ihnen bei der Fliegenplage und Hitze nicht verübeln
kann). Kirchen, Galerien, Motels, Campingplätze, alles liegt hier unter der
Erde. Ausser die Opalgeschäfte, die laufen oberirdisch ab und zwar zu Häufe.
Doch wir erreichten Coober Pedy am Mittag, da haben ohnehin alle Läden
geschlossen und später, als wir uns zu einer Aborigine Art Gallery ausserhalb
von Coober Pedy aufmachten, mussten wir zudem feststellen, dass ja auch Sonntag
ist (Wochentage sind auf Reisen etwas unvorhersehbares!) Also liessen wir diese
Station aus und fuhren stattdessen weiter.. weiter und weiter und weiter. Bis
wir entschlossen an der nächsten Tankstelle anzuhalten um unseren fast leeren
Tank zu füllen (was praktisch an jeder Tankstelle gemacht werden musste). Es
gab eine Zitterpartie, bis wir die Tankstelle erreichten und als der Zeiger auf
E zeigte, erreichten wir auch die Tankstelle, die in unserem Tankstellenführer
(sehr wichtig auf dem Stuart Highway) eingezeichnet war. Allerdings mussten wir
feststellen, dass diese Tankstelle auf unbestimmte Zeit geschlossen war. Tja,
da sassen wir nun, mit unserer
Tankanzeige auf E. Was blieb uns anderes übrig, als das Schicksal
herauszufordern und einfach weiter zu fahren, bis das letzte Tröpfchen Sprit
aufgebraucht war? Eine noch heftigere Zitterpartie begann und jedes Gefälle
wurde dafür genutzt, das Auto rollen zu lassen. 55 Kilometer ging es bis zum
nächsten Dorf mit Tankstelle. Wir hatten bereits einen Plan für den Notfall:
Jemand (dieser Jemand wollte natürlich niemand sein) musste eben bis zur
nächsten Tankstelle Hitchhikern und von dort zurück. Und wie das Schicksal es
wollte…. Erreichten wir die Tankstelle mit dem letzten etwas, was da noch im
Tank drin war!
Die restliche Reise verlief ohne weitere Zwischenfälle
und wir erreichten Port Augusta, von wo aus wir uns auf den Weg zu Flinders
Range aufmachten.
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