Nach unserem Tag mit Johny wollten wir Toraja noch auf
eigene Faust erkunden. Wir hatten so viele schöne Orte beim Vorbeifahren
gesehen, doch konnten wir sie weder genauer anschauen, noch fotografieren (auch
nicht vom Rücksitz des Scooters aus, denn es regnete immer wieder und die
Kamera musste im Rucksack bleiben) Also behielten wir den Scooter einen
weiteren Tag und fuhren durch die Gegend, genossen die wunderbare Landschaft
und suchten Hängegräber auf, die in einem kleinen „Dorf“ voller neugebauter
Toraja-Hütten zu finden waren. Hier konnten wir zuerst einem Handwerker bei
seiner Schnitzarbeit zusehen, der aus etwas Holz und etwas Naturfarbe
wunderbare Bilder, Tische und vieles mehr herstellte. Wir verbrachten eine
ganze Weile damit, seine Kunstwerke zu bestaunen und ihm bei der Arbeit
zuzusehen.
Nachdem wir uns sattgesehen und –gestaunt hatten, kletterten
wir die Stufen zu den Gräbern hinauf, die auf Holzpflöcken in den Steinwänden
hangen. Einiger dieser einfachen Särge aus Holz waren heruntergestürzt und offenbarten
deren Inhalt. Überall lagen Knochen und Totenköpfe herum und leere Augen
starrten aus den Gräbern auf die neugierigen Lebenden, die sich an diesen Ort
wagten. Wir stiegen weiter hoch und fanden uns am Eingang zu einer Höhle
wieder. Auch hier lagen die Gebeine Verstorbener auf dem Boden, zwischen
Opfergaben, Bildern und Müll. Wir konnten weiter in die Höhle hineingehen als
uns lieb war. Es fühlte sich schon ganz schön eigenartig an und so verliessen
wir dann auch schon bald die Gräber und schwangen uns auf unser Klappergestell,
um mehr von der Gegend zu sehen. Wir fuhren und hielten und fuhren und hielten
und fuhren…. und plötzlich rumpelte es unter uns und knallte es… und dann blieb
das gute Gefährt einfach stehen. Tja, ganz schön blöd gelaufen, da standen wir
nun mitten im Nirgendwo, zwischen Reissfeld und Dschungel. Nach einigen
Versuchen lief der Motor dann doch wieder. Für die nächsten hundert Meter. Dann
war Schluss mit lustig! Aber wir hatten es in ein kleines Dorf geschafft und
Toby lief los um Benzin aus der Flasche zu holen. Nach einigen Minuten kam er
dann zurück mit einem Mann und einer Flasche vollgefüllt mit goldigem
Wundertrank. Glugg glugg glugg… Und schon schnurrte das Ding wieder wie ein
Kätzchen.
Für den nächsten Tag planten wir eine Wanderung, die uns von
unserem Scootervermieter empfohlen wurde. Wir beschlossen, ein Bemo (ein winziger
Bus mit zwei Bänken unter den Fenstern) bis Lembo zu nehmen und von dort aus
ein Stück zu wandern und dann wieder ein Bemo zurück zu nehmen. Als wir aber am
Busterminal ankamen, war es unmöglich ein Bemo zu finden, das an diesem Tag
nach Lembo fuhr. Wir fragten einige Leute und alle erklärten uns, dass wir ein
Auto nehmen sollten und kamen auch gleich mit einem angefahren. Aber wie wären
wir dann wieder zurück gekommen!? Also beschlossen wir, zurück zu fahren und
einen Tag mehr einen Scooter zu mieten. Allerdings konnten wir jetzt kein Bemo
mehr zurück zum Hotel finden, denn alle wussten bereits, dass wir nach Lembo
wollten. Da hier immer alle gerne helfen, waren auch immer einige Leute gleich
zur Stelle und erklärten, dass wir nach Lembo wollten, was ja jetzt nicht mehr
stimmte… Es dauerte eine ganze Weile, bis wir dann doch jemanden überzeugen
konnten, dass wir wirklich nicht mehr nach Lembo wollten. Und dann hatten wir
das beste Partybemo das man sich vorstellen kann. Eingebauter Flachbildfernseh
und riesige Boxen.
Wir schwangen uns einmal mehr auf den Scooter und liessen
uns den Wind um die Ohren wehen. Wir wollten dieselbe Route fahren, die wir
auch gegangen wären. Da verpassten wir eine Kreuzung und schon standen wir
mitten in einer indonesischen Hochzeitsfeier! Wir wagten einen kurzen Blick
hinein und schon stand da die Weddingplanerin und lud uns ein, der Zeremonie
beizuwohnen. Wir wurden gross begrüsst und sogar ein Liedchen wurde für uns
geträllert. Da waren mindestens zweihundert Leute anwesend, die allesamt auf
das Brautpaar warteten. Mädchen, klein und gross, rannten in ihren
traditionellen, bunten Trachten herum. Als das Brautpaar dann eintraf, reihten
sich diese zu einer Prozession ein, mit vielen anderen Leuten. Das Brautpaar
setzte sich auf ein altarähnliches Gebilde und wurden dort offiziell getraut.
Irgendwann mussten wir aber weiter und fuhren weiter durch
Reisfelder und über Berge, über Holperpisten und durch Dörfer, assen zu Mittag
an einem wunderbaren Aussichtspunkt und Toby konnte sich im Schmieden von
Macheten versuchen.
Nach diesem Trip sagten wir Toraja Lebewohl. Nun ging es in
einer 13 stündigen Busfahrt nach Tentena, von dort aus per Auto nach Ampana, wo
wir uns heute befinden. Und von hier aus verabschieden wir uns auf die Togian
Islands. Wir legen eine Blog-Zwangspause ein und melden uns in geschätzten zwei
Wochen wieder. Bis dahin: Haltet die Ohren steif!
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