Kaum aus dem Flugzeug gestiegen, wurden wir von einem Haufen
indonesischer Männer umzingelt, die allesamt das Gleiche wollten: uns zum Hotel
bringen. Toby war sofort in seinem Element und handelte wie verrückt drauf los.
Kurze Zeit später sassen wir schon im Taxi und fuhren durch die Strassen Kutas.
Links, rechts, links, rechts, links, links, rechts… schon nach wenigen Minuten hatte
ich die Orientierung verloren. Scooters fuhren quer durcheinander, doch unser
Chauffeur schlängelte sich gelassen durch das Gewirr, sodass wir nach kurzer
Zeit heil am Hotel ankamen. Irgendwie war unsere Reservierung aber nicht da,
weshalb wir eine Weile warten mussten, bevor wir per Scooter zum zweiten Hotel
einige Strassen weiter gefahren wurden. Mit dem Gepäck auf den Schultern und
meinem Rucksack zwischen den Füssen meines Chauffeurs, klammerte ich mich am
rollenden Untersatz fest. Toby, der auf dem Scooter vor mir sass, sah ganz
gelassen aus und hielt sich noch nicht mal fest (was ich zu diesem Zeitpunkt
noch für unmöglich hielt) Der Fahrer gab Gas und schon düsten wir durch die
winzigen, leicht beleuchteten Gassen, in denen es nach Rauch, Gewürzen und
frischem Essen roch.
Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, gönnten wir uns noch
einen kleinen Spaziergang. Ich war schon jetzt überwältigt von dem, was ich
sah. Wir waren in einer ganz anderen Welt angekommen.
Einem Tipp folgend, machten wir uns am nächsten Tag nach
einer kleinen, selbstgeführten Spritztour mit einem gemieteten Scooter nach
Ubut auf. Hier erwartete uns eine viel kleinere Stadt als Kuta und viel weniger
Touristen obendrein, auch wenn selbst diese mehrheitlich vom Tourismus lebt. Hier
verbrachten wir den Rest unseres Bali-Aufenthaltes, auch wenn das nicht ganz so
geplant war. Wir mieteten für die Tage einen Scooter und erkundeten damit die
Gegend. Unser erstes Ziel war Tegalallang, eine schöne Reisterasse in der Nähe
von Ubut. Wir fuhren los uns merkten erst dann, dass wir nicht wirklich
wussten, wohin wir fahren mussten. Uns war das aber egal, wir versuchten uns
mit unserem neu erlernten Indonesisch durchzuschlagen; „Ma af, mana
Tegallalang?“ (Sorry, wo Tegallalang?) Und alle die wir fragten waren so nett,
in eine Richtung zu zeigen. Der eine dahin, der andere dorthin und wir fuhren
immer schön in die angezeigte Richtung, bis es anfing zu regnen und wir Schutz
an einem kleinen Stand am Wegesrand suchten. Dort bestellten wir mit Hand- und
Fusszeichen einen Kaffee, der erstaunlicherweise wirklich lecker war! Ganz
anders wie wir Kaffee kennen und richtig überzuckert, aber auch wirklich
schmackhaft und belebend. So fuhren wir an diesem Tag noch eine Weile herum,
ohne genaueres Ziel. Ich bekam gar nicht genug zu sehen, musste links und
rechts schauen und hatte trotzdem das Gefühl die Hälfte zu verpassen.
Den nächsten Tag planten wir dann etwas besser, sodass wir
die Reissfelder tatsächlich fanden! Der Ausblick war die ganze Mühe wert! Der
ganze Ort versprühte eine Ruhe und Gelassenheit, die wir gerne länger genossen
hätten, aber wir hatten von einer Zeremonie gehört, die ca. eine Stunde Fahrt
entfernt in einem Tempel nahe des Mount Batu stattfinden sollte. Das wollten
wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so machten wir uns nach einem
kleinen Spaziergang auf den Weg zum Tempel, der an diesem Tag von vielen weissgekleideten Menschen besucht wurde. Sie alle trugen Opfergaben auf dem
Kopf oder in den Armen und strömten in dieselbe Richtung. Der Tempel selbst war
geschmückt mit bunten Tüchern, Fähnchen und Schirmen, doch die eigentliche
Grösse erahnten wir noch gar nicht. Wir borgten uns einen Sarung, den wir uns
umbanden bevor wir uns dem Zug anschlossen und versuchten auf eigene Faust die
Zeremonie und die Stätte zu besuchen. Wir stiegen die Treppen hoch und fanden
uns in einem Durchgang zu verschiedenen Gebetsstätten wieder, von denen einige
gerade von hunderten Gläubigen besucht wurden. Wir stiegen bis zum höchsten
Tempel und wurden dort freundlich von einem Einheimischen begrüsst. Er war sehr
hilfsbereit und lud uns ein mit ihm zu beten, wobei er uns Schritt für Schritt
durch den richtigen Ablauf führte. Wir freuten uns sehr über die Einführung und
genossen es, in die Kultur kennenlernen zu dürfen. Wir fühlten uns willkommen.
Auf dem Weg zurück nach Ubut stiessen wir auf eine
Kaffeeplantage, die wir besichtigen durften. Ein junger Mann erklärte uns, wie
der Kaffee angebaut, geerntet und verarbeitet wird, während zwei Mädchen Kaffee über dem
Feuer rösteten und in einem grossen Mörser mahlten. Wir wurden eingeladen, den
Kaffee und andere Köstlichkeiten (Lemon-, Ginger-, Herbal Tea, Ginseng Coffee
und Cacoa) durchzuprobieren, was wir natürlich gerne annahmen. So konnten wir
uns etwas aufwärmen, denn zuvor hatte es von einer Sekunde auf die andere
angefangen aus Kübeln zu giessen. Am Abend gab es ein weiteres Gewitter in
Ubut, wobei der Blitz mit lautem Krachen irgendwo in der Nähe einschlug, die
Alarmanlage eines Autos auslöste, was die streuenden Hunde zum kläffen brachte
und natürlich war das Internet ab da nicht mehr zu gebrachen. Was Toby dazu
sagte: Classic!
In Ubut selbst gab es auch einiges zu sehen, vor allem viele
hunderte Stände, Shops und Märkte, die wir natürlich auch mal unter die Lupe
nehmen mussten. Die Art hier die Waren an den Mann/die Frau zu bringen sind
besonders anstrengend. Vor allem der Markt war eine Herausforderung, da wurde
man auch schon mal am Arm gepackt. Ein Blick bedeutete schon reges Interesse am
Gegenstand, was bereits zu einem „special price for you“ führte. Ich fand das
Ganze wirklich sehr spannend und auch Toby beim Handeln zuzusehen machte sehr
viel Spass, doch ich war schon lange nicht mehr so erschöpft, wie nach dieser
Erfahrung.
Auch zu sehen gab es den Monkey Forest, in dem 600 Affen
leben. Bereits am Eingang hüpften einige Affen herum und liessen sich von den
Touristen mit Bananen füttern, die sie sich über den Kopf hielten, damit die
Affen an ihnen nach oben klettern. Wir verstauten alles in unserem Rucksack
bevor wir den Forest betraten, nicht ganz ohne Grund. Die Affen klauen alles –
wirklich alles. Wir konnten sie bei ihren Raubzügen beobachten, da eine Kappe
vom Kopf geklaut, da eine Flasche aus der Hand gerissen und selbst in die
Handtaschen wurde hineingeklettert und nach essbarem durchsucht. Den Äffchen kann
man stundenlang zusehen wie sie in den
Bäumen herumklettern, am Boden ihre Kaptiolen schlagen, sich vermöbeln oder wie
sie sich einfach nur auf Statuen herumwälzen. Auch ohne Bananen erkoren uns
die Affen als Kletterbaum und sassen uns auf die Schulter, um uns zu lausen.
Wahrscheinlich hatten wir danach mehr Läuse als zuvor auf uns herumkrabbeln!
Nicht alle Affen waren jedoch so freundlich. Einer hatte wohl ein Problem mit
Toby, der die kleinen Äffchen fotografierte. Da kam er mit einem faustgrossen
Stein angerannt, den er durch die Lüfte schwang, während er uns die Zähne
zeigte und uns durch den Wald jagte. Jaja, die guten Tierchen.
Und dann war die Woche Bali schon um! Sulawesi ruft!
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