Von Nelson fuhren wir weiter
Richtung Picton aber nicht ohne Zwischenstopps! Kurz vor Picton nahmen wir die
Abzweigung Richtung French Pass und holperten über Kieselsteinpisten mit
einzigartiger Aussicht. Im Reiseführer wurde dieser Flecken Erde nicht erwähnt,
ganz zu Unrecht (aber zu unserem Glück!) Nach nicht enden wollenden engen
Kurven erreichten wir einen Campingplatz am Okiwi Bay und schlugen dort unser
Lager auf. Von hier aus gab es einen kleinen Track zu einem einsamen Strand.
Zugegeben, wir haben schon schönere Strände gesehen. Das Wetter war allerdings zum ersten Mal seit
langem herrlich warm und die Sonne hing alleine am Himmel. So zog es Toby ins
kühle (und zwar wirklich kühle!) Nass. Nach seinen „Ah!“ und „Oh!“ und „Ah ah
ah!“ war mir die Lust auf ein Bad vergangen. Es schüttelte ihn und nach ein,
zwei Zügen war auch bei ihm die Luft raus. Schnell war er aber anderweitig
beschäftigt. Kaum aus dem Wasser, schon war er dabei, das zulaufende Flüsschen
umzuleiten, während ich mich mit Sandfliegen abplagte, die sich an meinen
Beinen festgesaugt hatten. (Die Stiche jucken noch Wochenlang nach dem Stich,
ich befürchte ja, dass die nicht mehr weg gehen, aber Toby sagt, ich soll
einfach nicht daran denken… der kann gut reden!) Nachdem wir den Damm dann
wieder zerstört hatten, suchten wir unseren Weg zurück. Nach einem etwas
zusammengemixten Abendessen und einem Kaffee, machten wir Bekanntschaft mit Tom
und Jody, die auf demselben Campingplatz verweilten. Die Engländer sind schon
seit ca. 4 Monaten in Neuseeland unterwegs und hatten so manche Geschichte zu
erzählen. Über einer Flasche Wein und einem Schokoladenriegel plauderten wir
bis spät in die Nacht von Gott und der Welt.
Nach einer langen Nacht (bzw.
kurzen Nacht für mich) blieben wir noch eine Weile liegen und genossen den
schönen aber unglaublich windigen Tag, bevor wir uns aufmachten in Richtung
Picton. Und schon zogen wie Wolken auf. In Intervallen wurden wir von einer
Sekunde auf die andere von Regen überfallen, bevor er kurz darauf wieder
verschwand – aber nie für lange. Die Strecke war relativ kurz und mit einpaar
kurzen Stopps, um an den einen oder anderen Lookout zu stampfen, waren wir auch
schon in Picton angekommen. Nach einer kurzen Fahrt durch das winzige
Städtchen, suchten wir schliesslich einen geeigneten Platz zum Bleiben.
Nachdem wir am Morgen etwas
unsanft geweckt wurden, fuhren wir die letzten Meter in die Stadt hinein. Die
Backery am Eingang zur Stadt versprach ein gutes Frühstück, hatten wir doch vom
Hobbit gelernt, dass das die wichtigste Mahlzeit des Tages ist (natürlich auch
das zweite Frühstück!). Wir versorgten uns also mit köstlichen, noch warmen
Pie’s, die auf mich wie ein Wundermittel gegen den Schlaf wirken. Bei Toby
bewirkten sie das Gegenteil, er legte sich zu einem Nickerchen hin. Als er
wieder aus seinem Tiefschlaf aufwachte, machten wir uns bei einem zweiten
Frühstück mit Croissants auf den Weg zu einer Dusche. Ihr glaubt wohl kaum wie
schön eine Dusche sein kann! Hier lernt man sie erst richtig zu schätzen (naja,
ich als Duschfanatiker lerne wohl eher, sie als nicht selbstverständlich anzusehen).
Jedenfalls, frisch geduscht sammelten wir unsere Schmutzwäsche zusammen und
besuchten die Säubernden Trommeln des Picton Bay. Jetzt stand noch das Säubern
des Campers auf dem Tagesplan. Wir müssen wohl zugeben, dass wir die letzten
Tage etwas nachlässig waren, doch so konnten und wollten wir nicht auf die
Fähre auf die Nordinsel fahren. Und hier sitzen wir nun, auf schwankendem Untergrund
und bei knarrenden Hintergrundgeräuschen.