Dienstag, 12. März 2013

Outback II

Ein oder zwei Tage später (so genau weiss man das ja nie wenn man unterwegs ist, da ist ein Tag plötzlich eine Woche und 3 Wochen sind unendlich) erreichten wir Flinders Range, eine Gebirgskette, die sich praktisch quer durch South Australia (ja sehr genau nehmen wir das nicht) zieht. Wir, Toby, Mischa und ich schlugen unser Nachtlager einige Kilometer vom Flinders Range National Park auf. Von hier aus, so war der Plan, wollten wir am morgen früh, so etwa gegen halb 6 Uhr los fahren, was bedeutete, dass um 5 Uhr der Wecker klingelte. Dieser klingelte auch und weckte (natürlich nur) mich, doch ich bemerkte, was wir in unseren Berechnungen vergassen – um 5 Uhr ist die Sonne noch gar nicht aufgegangen (was wahrscheinlich nur in Australien eine Rolle spielt, aber ein Känguru oder ein Wombat wollten wir dann doch nicht als Galeonsfigur für unsere Raumfahrtkommandozentrale) Ich liess die Herren der Schöpfung also in aller Ruhe ihren Schönheitsschlaf ausdehnen, während ich auf den Sonnenaufgang wartete. Und als es soweit war weckte ich sofort überschwänglich den armen Toby, der gar nicht recht wach werden wollte und wir sahen uns den Sonnenaufgang aus dem offenen „Kofferraum“-Türe an, während auch Mischa aus dem Schlaf der Unendlichen erwachte.
Es konnte also losgehen! Wir fuhren zum Nationalpark und bereiteten uns auf unseren bevorstehenden Walk vor. Allerdings wussten wir noch gar nicht welche Wanderung wir überhaupt angehen wollten, da gab es ca. 17 verschiedene zur Auswahl, wobei wir unsere Vorwahl bereits getroffen hatten – es blieben also noch 16. Nein, Spass beiseite, zwei waren übrig, der eine „kurz und knackig“ (vgl. Lonely Planet), der andere… lang? Jedenfalls wollten wir professionellen Rat zur Hilfe ziehen und begaben uns ins Informationszentrum am Start aller Walks. Was wir dabei herausfanden war: Der Typ hat von Tuten und Blasen keine Ahnung. Wir mussten uns also selbst helfen. Und wie so oft entschieden wir uns einfach für die längere Wanderung, die als Rundgang, aber auch als einfache Hin-Zurück-Strecke gegangen werden konnte, wobei Zweiteres empfohlen wurde (der Rundweg dauert 9 Stunden)
Wir marschierten in die Richtung, in die uns der Informationsheini delegierte: „Immer an die „Inside Route St. Mary Peak“ halten“ (hätten wir da mal lieber unserer ersten Einschätzung zu dem Herrn vertraut: von Tuten und Blasen keine Ahnung)
Die Strecke war relativ unspektakulär und braucht keine lange Erklärung, karg und eintönig sollte reichen (und sonst reicht ein Blick auf die Fotos) Wir  marschierten und marschierten und marschierten und marschierten, während wir die Fliegen mit wildem Händefuchteln und regentanzähnlichen Gebaren versuchten von uns fern zu halten (dass dieses Unterfangen von wenig Erfolg gekrönt war muss ich, glaube ich, nicht erwähnen) Wie es schien gingen wir durch ein endlos erscheinendes Tal und wir erfreuten uns an den Kängurus, die zu genüge über die Wege hoppelten, und begannen eifrig zu zählen. Am Ende des Tages waren es 51 Kängurus, 4 Emus und eine wilde Herde Ziegen.
Irgendwann begann der Weg leicht nach oben zu verlaufen. Und dann ging das wieder eine halbe Ewigkeit. Anstrengend war der ganze Walk bis dahin noch kein bisschen gewesen, doch die erwartungsvolle Spannung unsererseits war auch langsam Geschichte. Dann endlich, nach einigen Kilometern zu viel (der Weg hätte nur ca. 6 Kilometer sein dürfen, war allerdings dann doch um die 13 Kilometer gewesen) erreichten wir den St. Mary Peak, den wir mit letzten Kräften (also Toby war noch topfit, ich hatte schrecklich Hunger und Mischa hatte nicht ganz wandergerechte Schuhe an den Füssen (oder was davon übrig sein mochte))
Die Aussicht war hingegen wirklich sehenswert und wäre bestimmt noch einiges schöner gewesen, hätte nicht just in dem Moment als wir den Gipfel erreichten, unser Regentanz Wirkung gezeigt (aber damit waren wir das Fliegenproblem jetzt tatsächlich mehr oder weniger los) Trotzdem konnten wir meilenweit sehen und die gesamten Flinders Range von oben begutachten. Lange genossen wir die Aussicht nicht, denn jetzt wurde es auch noch windig und kalt (jedenfalls für mich) also entschieden wir uns zum Abstieg. Und als wir dann eine Tafel mit der Aufschrift „Outside Route St. Mary Peak – 6 Km“ fanden war unseren Verdacht bestätigt: Der hat uns in die falsche Richtung geschickt! Anstatt der einfachen Hin-Zurück-Wanderung legten wir schlussendlich den ganzen Rundgang zurück. In stattlichen 6 Stunden. Der Weg zurück war um einiges spektakulärer, jedenfalls gab die Landschaft etwas mehr her als auf dem Hinweg, wobei auch hier keine andere Beischreibung gegeben werden kann.
Zurück im Informationszentrum gönnten wir uns erst mal eine heisse Tasse Schokolade und dazu einen fetten Schokoriegel. Genau das richtige, um all die abtrainierten Kalorien wieder brav an ihren Platz zu befördern.
Die Nacht verbrachten wir auf einem Campingplatz im Nationalpark, auf dem wir völlig verlassen und alleine campierten. Und am nächsten Tag hiess es dann zurück nach Adelaide fahren und Mischa in sein trautes Heim zurück geleiten. Auch wir liessen es uns noch einen Tag gut gehen und vertrieben uns die Zeit mit überbewerteten Dingen, wie Wäsche waschen und duschen und weil wir es uns gerade gut gehen liessen, besuchten wir den Dumpling King, der uns Speisen auftischte, die der Kaiserin von China vermutlich genauso gemundet hätte wie uns. Vollgestopft und zufrieden fielen wir in unser Bett.












 



Mittwoch, 6. März 2013

Outback erster Teil


Wir quetschten uns zu dritt ins Auto und los ging die nicht enden wollende Fahrt ins Nirgendwo. Es dauerte auch keine Stunde, da waren wir der Zivilisation entschwunden. Die unendlichen Weiten waren mit Weideland überzogen und bald schon wechselte die Landschaft in das, was man hier Wüste nennt. Mich erinnerte das ganze eher an afrikanische Steppe und Toby pflichtete mir bei. Der rote Sand, die gelben Gräser und die verknorrten Bäume gaben ein wunderbares Bild ab. Vor allem unser erster Sonnenuntergang in der Wüste war ein echtes Highlight. Aber irgendwie waren die Fliegen hier etwas aufsässig. Und dieser Zustand wurde am nächsten Tag erst so richtig bewusst. Hier in der Wüste wimmelt es nur so von Fliegen, die darauf warten, dass ein Tourist aus dem Auto steigt. Sobald die Türe geöffnet wird, stürzt sich eine Armee Fliegen auf die unglückselige Person und wird in grossem Stil von oben bis unten besetzt. Frische Luft schnappen war also nicht drin. Sobald die Sonne aufging, waren die Fliegen da und irgendwann nach Sonnenuntergang verschwanden sie wieder – dazwischen war Autozeit.
Wir fuhren die Tage durch. Eigentlich war frühes Aufstehen und Losfahren geplant, doch nun hiess es, solange schlafen wie möglich (was den Herren der Schöpfung äusserst leicht fiel) und sobald es im Camper heiss wurde los fahren. Und zwar bis es draussen wieder kühler wurde. Diese Technik bewährte sich zum einen dadurch, dass das Fliegenproblem einigermassen gelöst war, andererseits war die Hitze in der Mittagssonne zu intensiv, als das man im Auto hätte ausharren können und Schatten kennt man da draussen nicht. Hätte man aus dem Auto steigen können, hätte man ein Lüftchen spüren können, das wirklich angenehm war und auch die Hitze ertragbar gemacht hätte, doch da draussen die Fliegen auf uns warteten war das keine Option. So fuhren wir also die Tage durch, machten Halt zum Tanken und zum Essen und auch mal um eine Stadt anzuschauen.
An Tag vier erreichten wir den Uluru-Kata Tjuta National Park und wir waren glücklich, der Tag war bewölkt und der Base Walk um den Uluru (auch als Ayers Rock bekannt) wartete auf uns. Der Anblick des Uluru war beeindruckend. Wir kennen den Rock von Fotos und Dokumentarfilmen, doch in echt sieht er ganz anders aus. Er ist nicht einfach nur ein grosser Stein. Seine Wände erzählen Geschichten. Auch unsere Bilder werden hier nur einen Bruchteil dessen aufzeigen können, was der Uluru wirklich ist. Klüfte und Höhlen graben sich in den Stein und schauen wie Gesichter auf diejenigen herab, die ihn umkreisen. Der Spaziergang dauerte etwa drei Stunden. Ich für meinen Teil dachte nie anzukommen, denn es schien so, als würde man fortlaufend in eine Richtung gehen. Doch plötzlich erreichten wir den Parkplatz wieder. Irgendwie seltsam verwirrend.
Nach Umrundung des Uluru entschieden wir kurzerhand, auch gleich noch die Kata Tjuta (übersetzt „viele Köpfe“) zu besuchen. Die Kata Tjuta sind Gesteinsformationen, die wie Berge und Hügel auf engem Raum aussehen. Ganz anders als der Uluru bestehen die Kata Tjuta nicht scheinbar aus einem Stein, sondern aus Milliarden kleiner zusammengewürfelter Steine. Durch das Valley of the Winds, das sich durch die Kata Tjuta zieht, wanderten nochmals drei Stunden und genossen die herrliche Aussicht. Wir müssen zugeben, dass uns die Kata Tjuta noch mehr faszinierten wie der Uluru selbst. Aber am allermeisten fasziniert hat uns der Kings Canyon, den wir tags darauf besichtigten.
Bevor wir zum Kings Canyon aufbrachen, erkundigten wir uns bei einem lokalen Geschäft, ob der Aufstieg möglich sei, denn ab einer gewissen Temperatur wird der Walk geschlossen. Etwas verdutzt wurden wir gemustert als wir diese Frage stellten. Heute sei es relativ kalt, 35 Grad, da ist der Aufstieg kein Problem. Wir froren nicht gerade, als wir die steile Felstreppe emporstiegen, aber wir mussten zugeben, es hätte schlimmer kommen können. Wir umkreisten also den Kings Canyon, dessen Name völlig unzureichend für die Aussicht von da oben ist. Die Aussicht war schlicht und einfach atemberaubend. Der Canyon stürzte an steilen Wänden hinab und formte ein grün bewachsene Oase. Eine Stelle im Canyon war erfüllt von Vogelgezwitscher und Farnpalen schossen in die Höhe. The Garden of Eden. Wir genossen den Rundgang in vollen Zügen. Ich glaube im Namen von allen sprechen zu können, wenn ich behaupte, dies sei bis jetzt das Highlight von Australien gewesen.
In der Wüste gibt es nicht viel mehr zu sehen, was die Fliegenschwärme und die übermässige Hitze länger ertragbar macht, weshalb wir uns entschlossen, die Rückreise anzutreten. In Coober Pedy, einer Stadt auf halber Strecke zwischen Alice Springs und Adelaide machten wir Halt. Die Stadt ist eine reine Goldgräberstadt, wobei hier kein Gold, sondern Opale gegraben werden. Die Stadt selbst sieht aus wie.. schwer zu sagen. Heruntergekommen, wobei erst etwas da sein muss, bevor es herunterkommen kann und das ist auch schwer von Coober Pedy zu sagen. Das Meiste läuft unterirdisch ab (was man ihnen bei der Fliegenplage und Hitze nicht verübeln kann). Kirchen, Galerien, Motels, Campingplätze, alles liegt hier unter der Erde. Ausser die Opalgeschäfte, die laufen oberirdisch ab und zwar zu Häufe. Doch wir erreichten Coober Pedy am Mittag, da haben ohnehin alle Läden geschlossen und später, als wir uns zu einer Aborigine Art Gallery ausserhalb von Coober Pedy aufmachten, mussten wir zudem feststellen, dass ja auch Sonntag ist (Wochentage sind auf Reisen etwas unvorhersehbares!) Also liessen wir diese Station aus und fuhren stattdessen weiter.. weiter und weiter und weiter. Bis wir entschlossen an der nächsten Tankstelle anzuhalten um unseren fast leeren Tank zu füllen (was praktisch an jeder Tankstelle gemacht werden musste). Es gab eine Zitterpartie, bis wir die Tankstelle erreichten und als der Zeiger auf E zeigte, erreichten wir auch die Tankstelle, die in unserem Tankstellenführer (sehr wichtig auf dem Stuart Highway) eingezeichnet war. Allerdings mussten wir feststellen, dass diese Tankstelle auf unbestimmte Zeit geschlossen war. Tja, da  sassen wir nun, mit unserer Tankanzeige auf E. Was blieb uns anderes übrig, als das Schicksal herauszufordern und einfach weiter zu fahren, bis das letzte Tröpfchen Sprit aufgebraucht war? Eine noch heftigere Zitterpartie begann und jedes Gefälle wurde dafür genutzt, das Auto rollen zu lassen. 55 Kilometer ging es bis zum nächsten Dorf mit Tankstelle. Wir hatten bereits einen Plan für den Notfall: Jemand (dieser Jemand wollte natürlich niemand sein) musste eben bis zur nächsten Tankstelle Hitchhikern und von dort zurück. Und wie das Schicksal es wollte…. Erreichten wir die Tankstelle mit dem letzten etwas, was da noch im Tank drin war!
Die restliche Reise verlief ohne weitere Zwischenfälle und wir erreichten Port Augusta, von wo aus wir uns auf den Weg zu Flinders Range aufmachten.